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Journalismus, der den kritischen Geist informiert

und die  empfindende Seele aufrüttelt

Roland Röhl  wurde am 9.3.1955 in Berlin geboren. Nach dem Abitur begann er das  Studium der Chemie an der TU Berlin. Er spezialisierte sich bald im  Bereich der Biochemie. Bereits seine Diplomarbeit über Proteinsynthese  schrieb er am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in  Berlin-Dahlem. Dort erarbeitete er auch seine Dissertation über Struktur und Funktion von Ribosomen, mit der er 1981 promovierte.

In Berlin und in Göttingen absolvierte er noch ein Zweitstudium in Philosophie und  Publizistik. In Göttingen arbeitete Roland Röhl ab 1981 mit einem Forschungsstipendium am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie  bei dem Nobelpreisträger Prof. Manfred Eigen über Fragen der molekularen Grundlagen der Entwicklung des Lebens.

Seit 1980 hatte sich Roland Röhl verstärkt dem Wissenschaftsjournalismus zugewandt. 1982  erhielt er einen Preis im Wettbewerb "Reporter der Wissenschaft". Ab 1984 machte Roland Röhl dann endgültig den Schritt zum freien Wissenschaftsjournalisten. Die Themenbereiche, über die Roland Röhl Sendungen und Berichte machte, waren weit gefächert: Von Biologie, Ökologie, Evolution, Verhaltensforschung, Naturschutz, Meeresforschung, Gentechnologie über Wissenschaftgeschichte und Porträts bis hin zu  Fragen der Entwicklungs- und Sicherheitspolitik, der Friedens- und  Konfliktforschung sowie den Fragen der ökologischen und sozialen Sicherheit, einem lange Zeit in der professionellen Friedensforschung  vernachlässigten Aspekt der Sicherheit. Diese Problematik hat Roland Röhl in eindringlicher Weise dargestellt in seinem Film "Jenseits von  Raketen".

Sein 1985 erschienenes und immer noch lesenswertes Buch "Natur als Waffe" füllte eine Lücke in der Berichterstattung über die erschreckende Vielfalt der militärischen Planungen zur Bemächtigung unserer Umwelt zu Zwecken der Kriegsführung.

Es ist eine hier gar nicht darstellbare Fülle von in verschiedenen Anstalten gesendeten Rundfunkbeiträgen und -Berichten, Fernsehfilmen und darüber hinaus von zahlreichen Zeitungsberichten und Artikeln in Büchern und Zeitschriften  (auch in W& F), die das Schaffen von Roland Röhl charakterisieren.

Besonders in die vielfältigen Fragen der Friedens- und Konfliktforschung hat sich Roland  Röhl tief eingearbeitet durch Literatur-Studium, Leitung von  Arbeitsgruppen bei den "Göttinger Wissenschaftlern für Frieden und  Abrüstung" sowie durch den Besuch von Tagungen, Kongressen und internationalen Instituten wie z. B. dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI. Besonders die Kongresse und  Fachtagungen der Naturwissenschaftler-Initiative "Verantwortung für den Frieden" haben durch die zahlreichen Beiträge von Roland Röhl eine immer hervorragende und informative Berichterstattung bekommen.

Roland Röhl hat  zahlreiche Beiträge geliefert zu Fragen und Problemen der Rüstung allgemein, der Rüstungskontrolle, zu atomaren, chemischen und biologischen Waffen, zum Atomwaffensperrvertrag und zur Ambivalenz der zivilen Atomenergie. Hier sei nur als ein Beispiel hingewiesen auf seinen hervorragenden Film über das Problem der Schäden durch  Niedrigstrahlung "Risiko Radioaktivität".

Über die Kongresse und Fachtagungen aus dem Bereich der Friedensforschung hat Roland Röhl  immer mit großem Sachverstand und Engagement berichtet. Sein kritischer  Verstand, sein durch Recherchen im In- und Ausland geschulter Blick für die wesentlichen Dinge, seine schwungvolle, auch humorvolle und manchmal leicht ironische Art der Fragen und auf den Punkt gebrachten Aussagen machten seine Beiträge nicht nur verständlich und leicht erfaßbar, sondern auch zu einer reichlich sprudelnden Quelle der Information.

Roland Röhl hat sich in hervorragender Weise aufklärend eingemischt in die öffentliche  Diskussion um relevante und brennende Themen. Seine vorbildliche Berichterstattung, die auch immer spannend und anschaulich war, hat  viele Menschen bereichert. Damit hat Roland Röhl nicht nur die Menschen aus der Friedensbewegung erreicht, sondern auch darüber hinaus viele Zuhörende und Zusehende in Funk und Fernsehen sowie Leser verschiedener  Printmedien. Was Roland Röhl geleistet hat, war stets bester  Journalismus, der den kritischen Geist informiert und zugleich die empfindende Seele aufrüttelt. (...)

unwesentlich gekürzter Nachruf von Herrn Prof. Dr. Jürgen Schneider in W&F 1/98

Schon nach der Feststellung seiner Erkrankung 1995 hat sich Dr. Roland Röhl mit dem Gedanken getragen, seine ursprünglich als Altersversorgung geplante  Lebensversicherung in eine Stiftung einzubringen, um seinem zentralen Anliegen zu Lebzeiten - der Konflikt- und Friedensforschung - auch nach  seinem Tod zu Geltung zu verhelfen. Er hat dazu noch Rat eingeholt; zur Gründung durch ihn selbst ist es aber nicht mehr gekommen.

So hat er in seinem  Testament die Errichtung der Stiftung verfügt und die wesentlichen  Eckpunkte für die Satzung vorgegeben wie den Zweck, die Tätigkeit und den Ort dafür. Mit Hilfe der ehrenamtlichen Mitglieder der Stiftung, die Dr. Roland Röhl zu einem großen Teil noch persönlich verbunden sind,  konnte sein Wunsch realisiert werden. Die Stiftung, die seinen Namen  trägt, ist seit 1998 in seinem Sinne tätig.

 

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