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Prof. Dr. Andreas Buro
Laudatio für Andreas Zumach anlässlich der Verleihung des Göttinger Friedenspreises der Stiftung Dr. Roland Röhl am 7. März 2009 in Göttingen
Anrede,
zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat Andreas Zumach in der taz, deren ständiger und beständiger Korrespondent er ist, einen großen Artikel zur internationalen Situation der Menschenrechte geschrieben. Sind sie noch universell gültig? So lautet seine Frage.
In diesem Artikel ist zentral und recht groß eine Fotomontage abgebildet. Im Vordergrund steht ein großer Mann, der ein rechteckiges Schild mit dem Emblem der Vereinten Nationen vor sich hält. Nur der Kopf überragt es. Das Licht kommt von vorn und in dem Schatten des Mannes mit dem Schild steht eine Gruppe von Menschen, jung und alt und der Kleidung nach aus aller Herren Länder. Diese eindrucksvolle Montage symbolisiert, wie dringend die Menschen der Welt des Schutzes der Menschenrechte bedürfen und wie wichtig es ist, für diese Rechte, wo auch immer sie verletzt werden, einzutreten. Bei der Betrachtung dieser Kollage dachte ich, der große Schildträger könnte auch das Gesicht von Andreas Zumach zeigen, denn er ist einer derjenigen, die unermüdlich und unerschrocken für die Menschenrechte eintreten. Und dies nicht nur, wie man heute sagt, im Sinne eines idealistischen Gutmenschen, sondern im Sinne eines Kämpfers, der Ross und Reiter nennt. Er ist ein unbequemer Mensch. Einen seiner Wahlsprüche hat er von Hannah Arendt übernommen. Er lautet: “Niemand hat das Recht, zu gehorchen.“
Mein Glückwunsch, Andreas, zur Verleihung des Göttinger Friedenspreises!
Es ist leicht und gängig, die Welt in Gut und Böse zu unterteilen, wobei man selbst und das eigene Land freilich zu den Guten und die vermeintlichen Gegner zu den Bösen gerechnet werden. Dies hat nicht nur die Folge des Realitätsverlustes, es bewirkt auch die Unfähigkeit selbstkritisch mit dem Handeln der ‚eigenen Seite‘ umzugehen. Feindbilder taugen ebenso wenig wie Freundbilder! Andreas Zumach ist dieser so gängigen politischen und journalistischen Falle niemals zum Opfer gefallen. In dem genannten Artikel zeigt er, wie von westlicher Seite, die Menschenrechte zum Kampfinstrument umfunktioniert werden, so dass doppelte Standards ihre Glaubwürdigkeit des Kampfes für die Durchsetzung der Menschenrechte unterhöhlen. Er zeigt aber auch, wie von asiatisch-islamischen Staaten mit dem Hinweis auf unterschiedliche Kulturen und Traditionen eine Neudefintion der Menschenrechte gefordert wird. Würde sich dies durchsetzen, so ginge gerade das unerhört revolutionäre der Menschenrechtscharta verloren, dass nämlich alle Menschen aller Hautfarben und Kulturen die gleichen Rechte beanspruchen können. Jeder Herrscher könnte sich die Menschenre3chte zum Zwecke der Selbstlegitimation nach eigenem Gutdünken zurecht biegen.
Ich fühle mich seit Jahrzehnten mit Andreas Zumach befreundet und bewundere seine Arbeit. Kennen gelernt habe ich ihn, bei der so genannten >Frühstücksrunde<. Als seinerzeit der NATO-Doppelbeschluss zur Diskussion stand, wodurch ganz Europa in eine kaum noch kontrollierbare Gefährdung atomarer Vernichtung getrieben wurde, strömten aus vielen Teilen der sozialen Bewegungen in Deutschland die Menschen zusammen, um sich gegen diesen wahnsinnigen Auswuchs des Abschreckungswettrüstens zur Wehr zu setzen. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte es kaum eine Friedensbewegung gegeben. Sie erstand in dieser Situation in kürzester Zeit wieder auf. In der >Frühstücksrunde< trafen sich ihre Repräsentanten und Repräsentantinnen, um zu besprechen, wie Öffentlichkeit durch Protest und gewaltfreien Widerstand zu organisieren sei.
Andreas Zumach beteiligte sich konstruktiv an der >Frühstücksrunde< und wurde aufgrund seiner hervorragenden analytischen Fähigkeiten, jedoch auch wegen seines konzilianten Umgangs mit anderen – trotz Härte und Schärfe in der Sache - sehr bald zu einem Sprecher des bundesweiten Koordinierungsausschusses, der aus der Frühstücksrunde hervorging. Als Koordinator war er für die Organisation der ersten großen Bonner Friedensdemonstration im Oktober 1981 verantwortlich.
Andreas Zumach ist sensibel, freundlich und höflich, wenn ich einen so altmodischen Begriff hier gebrauchen darf. Für alles dies steht auch seine Freude – vielleicht auch sein Genuss – Cello zu spielen und zu kochen – ich hörte, seine Spezialität seien diese Tiere mit den vielen Fangarmen. Doch er kann auch richtig in Wut geraten. Bei seiner Laudatio auf den amerikanischen Kriegsdienstverweigerer Agustin Aguayo, der 2007 den Stuttgarter Friedenspreis erhielt, kam dies zum Ausdruck:
Agustin und seine Frau Helga Aguayo seien nicht nur die wahren Helden der Kriege, in die ihr Heimatland derzeit schuldig verstrickt sei. „Ich hoffe, sie werden auch Vorbilder für deutsche Soldaten und ihre Familien.“
Dann fragt Zumach:
„ Wie viele Bundeswehrsoldaten, die 1999 am völkerrechtswidrigen Luftkrieg der NATO gegen Jugoslawien beteiligt waren, haben auch nur einen einzigen Befehl nicht ausgeführt? Kein Einziger!
Wie viele deutsche Soldaten, die seit 2001 in Afghanistan einen völkerrechtswidrigen Krieg kämpfen – wie viele Tornadapiloten oder Soldaten, die diesen Einsatz von Bundeswehreinrichtungen von deutschem Territorium aus befehlen oder logistisch koordinieren, haben den Kriegsdienst verweigert?
Kein Einziger“!
Wie viele deutsche Soldaten, die im Frühjahr 2003 den völkerrechtswidrigen Irak-Krieg logistisch unterstützten, haben nein gesagt?
Ein Einziger!
Andreas Zumach – 1954 in Köln geboren – studierter Volkswirt und Journalist – war nach zwei Jahren Redakteurstätigkeit ab 1981-87 friedenspolitischer Mitarbeiter der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienst. Er war also -–und das darf heute nicht vergessen werden – nicht nur ein Friedensschreiber sondern immer auch, das gilt bis heute, ein Friedenskämpfer. Er steht für Prävention, Deeskalation und Zivile Konfliktbearbeitung, sowie für die Aufdeckung realer Zusammenhänge. Er ist jemand der die Schleier der Legitimationsideologien zu zerreissen versucht.
Heute ist er nicht nur ein hochkarätiger und begehrter Journalist sondern auch durch zahlreiche Vorträge und Diskussionen an der Basis der Friedensbewegung wie in der Öffentlichkeit präsent. Er arbeitet für viele regionale und nationale Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehstationen, ferner für das >Network for European and Transatlantik Security< und das >Project for European Nuclear Nonproliferation<.
Manchmal habe ich den Eindruck, er wäre an mehreren Stationen zur gleichen Zeit zu sehen oder zu hören. Die Erklärung hierfür ist einfach. Als wir nach einer IPPNW-Tagung in Berlin noch in einer türkischen Kebap-Stube saßen, holte er plötzlich aus seinem dünnen Gepäck ein leichtes Klappfahrrad hervor. Er müsse gerade noch zu einem Interview und in dem dichten Verkehr Berlins sei mit dem kleinen Rad viel schneller voran zu kommen und zu dem auch viel ökologischer als mit einer Taxe. Andreas klappte das Rad auf, drehte ein paar Schrauben fest und schon entschwand er zu seinem nächsten Auftritt.
Andreas Zumach hat viele Preise gewonnen. Ich erwähne nur zwei: 1997 erhielt er die Goldmedaille der >UN Correspondents Association< für die beste Berichterstattung über die Vereinten Nationen und 2004 den > Immanuel Kant World Citizen Award < für sein aktives Eintreten für freie Rede, unbeschränkte Information und für seine Zivilcourage.
Zivilcourage wird dringend benötigt. Friedenskämpfern und –schreibern schlägt erstaunlicher Weise oftmals bittere Feindschaft entgegen. Dies war in Westdeutschland zur hohen Zeit des Kalten Krieges besonders ausgeprägt. Ich will dazu eine kleine, lustig klingende Geschichte erzählen. Der 5-jährige Berti Halberstadt fuhr 1962 mit seinem kleinen Dreirad neben dem Frankfurter Ostermarsch und wollte die schön bunten Luftballons mit dem Zeichen der Atomwaffengegner, bunte Anstecker und kleine Karikaturen an die Kinder am Straßenrand verteilen. Die wollten so etwas auch gerne haben, aber ihre Eltern zischten wütend zu Berti: „Geh doch nach drüben!“ Na gut dachte Berti und fuhr auf die andere Straßenseite, doch dort geschah ihm das gleiche. Erzürnte Eltern riefen ihm wiederum zu: „Geh doch nach drüben“. Berti verstand die Welt nicht mehr oder richtiger die Erwachsenen, die doch eigentlich sich auch alle Frieden wünschten.
Hinter dieser nur scheinbar absurden Geschichte steht, die alte Weisheit, dass oftmals der Bote für seine schlechte Nachrichte bestraft wird. Er rührt nämlich an verdrängte Gefahren und Bedrohungen, die durch sein Auftreten wieder ins Bewußtsein gehoben werden und erneut beängstigen.
Die Hürden für Friedenskämpfer und –schreiber wie Andreas Zumach sind also sehr hoch. Gewalt ist tief in unserem Unterbewußtsein verwurzelt. Legitmationsideologien vom angeblich >Gerechten Krieg< bis zur >Humanitären Intervention< versuchen immer wieder, die grausame Brutalität des Krieges, also des gewaltsamen Konfliktaustrages, zu rechtfertigen , ja sogar zu verherrlichen. Interessen von Militär und Rüstungsindustrie verschleiern und verharmlosen und zeigen mit spitzen Fingern auf die angeblichen >Vaterlandsverräter>, >Nestbeschmutzer< und >Kollaborateure feindlicher Mächte<, die ausplaudern, was doch geheim bleiben soll.
Investigative Journalisten bekommen dies besonders zu spüren, nicht allein durch persönliche Bedrohung, sondern auch durch Ausgrenzung aus ihren Arbeitsfeldern seitens ihrer Redaktionen und von wichtigen Kontakten. Bei militärischen Konflikten werden sie im sorgsamen Arm des Militärapparats möglichst weit von der Realität fern gehalten. Man spricht von >embedded journalism<. Angesichts dieser vielen Hürden ist es um so bewundernswerter, dass es Andreas Zumach gelungen ist, den Kampf gegen die Hydra von Widrigkeiten so erfolgreich zu führen. Dabei ist er in seiner Deutlichkeit, die Verhältnisse beim Namen zu nennen, keineswegs zimperlich.
Man denke nur an die Recherchen Zumachs aus der Zeit des Bosnien-Krieges. Alle Welt beklagte, die weit über 6 000 in Srebrenica ermordeten Bosnier. Andreas Zumach aber fand das fast Unglaubliche heraus, dass die USA im Vorfeld längst über den geplanten Angriff der bosnischen Serben informiert waren; dass französische Generalität mit dem Hinweis, man wolle die Enklave los werden, jegliche Hilfe für die niederländischen Blauhelme verweigerte; dass die ‚ethnische Säuberung‘ der Enklaven Zepa und Srebrenica Teil des Drehbuchs der US-„Friedensinitiative“ für Bosnien waren. Das ganze hinge mit der Wiederwahl von US-Präsident Clinton 1992 zusammen.
Oder Zumachs Aufdeckung der Hintergründe und Täuschungsmanöver bei den Verhandlungen zu Rambouillet, die schließlich zielbewußt auf den völkerrechtswidrigen Krieg der NATO gegen Serbien/Montenegro in Sachen Kosovo führten. Da wurden die entscheidenden westlichen Implementierungsforderungen den politisch Zuständigen einfach unterschlagen odererst in letzter Minute zugänglich gemacht. Diese Forderungen liefen auf eine Stationierung von NATO-Truppen im gesamten Gebiet der Bundesrepublik Jugoslawiens hinaus mit de facto uneingeschränkten Rechten einer Besatzungsmacht. Der Gegenentwurf aus Belgrad wurde erst gar nicht in die Verhandlungen einbezogen. Man wollte bombardieren und die Verhandlungen, die später in Paris fortgesetzt wurden, waren nur PR-Arbeit.
Erinnern Sie sich noch an den Rüstungsbericht der irakischen Regierung an den UN-Sicherheitsrat? Zumach hat ihn mit allen Ungeheuerlichkeiten an die Öffentlichkeit gebracht. Über 80 deutsche Unternehmen und viele aus den USA hatten bis 2001 an den Diktator des Irak Saddam Hussein Elemente zur Entwicklung atomarer, konventioneller, chemischer und biologischer Massenvernichtungswaffen geliefert. Selbst das Gift Anthrax stammte aus US-Laboratorien. Die USA haben den Bericht sogleich unter Verschluß genommen und von 12.000 Seiten 9.000 geschwärzt. Alles sollte verheimlicht werden. Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates stimmten dem zu. Zumach hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Doch Andreas Zumach ist nicht allein ein investigativer Journalist. Er konzentriert sich auch auf Möglichkeiten, wie Konflikte friedlich eingehegt und bearbeitet werden können. In diesem Sinne arbeitet er sich an den Internationalen Organisationen und am Völkerrecht ab. UNO, NATO, OSZE, WTO usw. sind auch seine Themen. Er deutet Zusammenhänge, Hintergründe und Strategien und macht sie für viele erst verständlich. Seine Bücher über die >Vereinten Nationen< (1995) , > Irak – Chronik eines gewollten Krieges< ( 2003 zusammen mit Hans-Christoph von Sponeck) und „Die kommenden Kriege. Ressourcen, Menschenrechte, Machtgewinn – Präventivkrieg als Dauerzustand? (2005) , sowie zahlreiche Aufsätze kreisen immer wieder um diese Themen.
Prävention, Deeskalation, Zivile Konfliktbearbeitung können nur von Journalistinnen und Journalisten mit einer speziellen friedenspolitischen Zuwendung und Erfahrung angemessen behandelt werden. Sie müssen komplexe Zusammenhänge der Zivilen Konfliktbearbeitung durchschauen und darstellen können. Sie haben strategische Vorschläge zu bewerten und sie sollten dem penetranten Argument, als „letztes Mittel“ müsse man Militär bereit halten, widerstehen können. Eine schwierige Aufgabe! Viele könnten in dieser Hinsicht von Andreas Zumach lernen. Vielleicht kann er in Zukunft dazu beitragen, dass investigativer Journalismus sich auch im Bereich der Zivilen Konfliktbearbeitung stärker als bisher entfaltet.
Andreas Zumach erhält den Göttinger Friedenspreis heute für seine bisherigen hervorragenden Leistungen. Doch einer seiner Buchtitel weist schon auf die Zukunft, auf die kommenden Kriege. Was werden sie und die militärisch-technologische Entwicklung für Friedenskämpfer und –schreiber bereit halten? Welche weiteren Hürden werden sie auftürmen? Mit großer Sorge lerne ich, dass ein neues Schlachtfeld jenseits von konventionellen, nuklearen, chemischen und biologischen Waffen aufgebaut wird, dessen Wurzeln weit in die Militärgeschichte hinein reichen, das jedoch nun eine neue Qualität erreicht. Das Stichwort heißt Cyberwar. Ein unsichtbarer Krieg, der ohne Kriegserklärung oder Ankündigung auslösbar ist. Er kann ganze Volkswirtschaften und die überall arbeitenden Kommunikations- und Regelsysteme zusammen brechen lassen. Aggressoren können zudem alles abstreiten und sich sogar hinter anonymen Hackern verstecken.
Ronald Tuschl berichtete auf der >State of Peace Conference 2009< in Schlaining, dass alle Mächte, auch Deutschland auf diesem Gebiet aufrüsten. Der Terminus Cyberwar mutiere schon seit längerer Zeit zum rhetorischen Kernbestand höchster politischer Diskurse. So wies erst Mitte Juli selbst Barack Obama, in einer seiner Wahlkampfreden darauf hin, dass unter seiner Ägide die "cyber security" jene Priorität erhalten würde, "die ihr im 21. Jahrhundert zusteht". und fortan Amerikas Netzwerke gegen terroristische Cyber-Attacken geschützt werden müssten.
Nach Angaben des US-Abgeordneten Frank Wolf drangen im Juni 2008 chinesische Hacker in mehrere Rechner des Kongresses ein, um an Listen mit politischen Dissidenten zu gelangen. Michael Chertoff, US-Minister für Heimatschutz sprach kürzlich sogar von rund 13.000 Angriffen auf seine Behörde. Derartige Vorfälle beschränken sich keineswegs nur auf die USA, auch die Bundesrepublik Deutschland wurde zur Zielscheibe derartiger Angriffe aus dem Cyberspace. Der bundesdeutsche Verfassungsschutz setzte im Mai 2007 Staatssekretäre des Innen-, Außen-, Justiz- und Verteidigungsministeriums davon in Kenntnis, dass chinesische Spähprogramme die Rechner verschiedener Ministerien infiziert hätten und vermutete, die chinesische Volksbefreiungsarmee sei der Angreifer, was selbstverständlich umgehend von Peking dementiert wurde.
Der Höhepunkt all dieser und ähnlicher Vorfälle markierte der von Sicherheitsexperten als "erster Cyberkrieg" eingestufte Angriff auf Estland im Frühjahr 2007, als Hacker nahezu ganz Estland lahm legten – ein groß angelegter Angriff, hinter dem der russische Geheimdienst vermutet wurde und der seither die NATO beschäftigt.
In den USA sei man indes schon um Lichtjahre voraus. So beabsichtige der frühere US-amerikanische Präsident George W. Bush, mit einer zweistelligen Summe im Milliardenbereich eine "Cyber-Initiative" für die nächsten sieben Jahre flankieren zu wollen. Dabei handle es sich, wie US-Minister Chertoff betonte, um ein neues “Manhattan Project”. Dies war 1942 der Tarnname zur Entwicklung und zum Bau der Atombombe. Das gigantische Vorhaben wird mit den neuen digitalen Gefahren begründet, die eine "verheerenden Kriegführung" und "Zerstörungen der schlimmsten Art" nach sich ziehen könnten.
Auf diesem neuen bedrohlichen Schlachtfeld findet man die alten Begriffe aus der Zeit der Abschreckungspolitik wieder. Kämpften die NATO-Strategen im West-Ost-Konflikt um Eskalationsdominanz, so geht es im Cyberwar darum, die Kommunikationsdominanz zu sichern – eine Aufgabe, die unweigerlich zu immer weiterer kommunikativer Aufrüstung führen wird. Frieden und Krieg werden nicht mehr zu unterscheiden und die Angreifer nicht mehr erkennbar sein. Alles dient nicht nur dem Kampf sondern auch der Verschleierung der Wirklichkeit. Wie wird investigativer Journalismus damit umgehen können?
Bleibt nur noch die Anklage dieses militärischen Wahnsinns, ohne im einzelnen die Untaten belegen zu können? Und wird die Antwort eine strikte Orientierung auf zivile Konfliktbearbeitung sein müssen?
Selbstverständlich hoffe ich, indem ich auf dieses neue Schlachtfeld verweise, auf die Aufklärungsarbeit von Menschen aus der Friedensbewegung und der Friedensforschung. Aber viele – so auch ich – setzen auch auf Andreas Zumach und auf viele seiner Kolleginnen und Kollegen, denen damit freilich eine neue schwere Last aufgebürdet wird.
Andreas Zumach hat sich um mehr Frieden in der Welt verdient gemacht. Die Friedensbewegungen in zahlreichen Ländern haben ihm sehr viel zu verdanken. Große Erwartungen ruhen weiterhin auf ihm.
Viel Glück Andreas für Deine zukünftige Arbeit und nochmals meine Gratulation zur Verleihung des Göttinger Friedenspreises. |