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Der GÖTTINGER FRIEDENSPREIS 2005
der Stiftung Dr. Roland Röhl
wird dem forum Ziviler Friedensdienst (ZFD) verliehen für seine außerordentlichen Verdienste bei der konkreten Entwicklung, Einrichtung und Organisation gewaltfreier Ansätze der Konfliktbearbeitung insbesondere durch die Anwerbung, Ausbildung und Entsendung von zivilen Friedensfachkräften zur Gewaltprävention und Konflikttransformation in Krisengebieten.
Das forumZFD arbeitet mit viel Energie und Fantasie daran, den Zivilen Friedensdienst als konstruktive Konfliktbearbeitungsstrategie und als innovatives Instrument sowohl der internationalen Sicherheits- und Friedenspolitik als auch der Bearbeitung zugespitzter Konflikte im eigenen Land durchzusetzen und auszubauen. “Ziel ist es, in enger Zusammenarbeit mit Organisationen und Personen vor Ort gewaltvermeidend und -mindernd auf Konflikte einzuwirken, den Dialog und die Kooperationsbereitschaft auf unterer und mittlerer Ebene der Gesellschaft zu stärken und die Menschen in Konfliktgebieten zum gewaltfreien Eintreten für ihre Rechte zu ermutigen und beratend zu unterstützen." (forumZFD)
Als Dachorganisation und Plattform der Zivilen Friedensdienste ist dem forumZFD die Knüpfung eines friedenspolitischen Netzwerkes aus Friedensinitiativen und ehrenamtlichen Friedensaktivisten gelungen. Durch die Entwicklung entsprechender Curricula und Qualifizierungsangebote stellt das forumZFD eine weitreichende Qualifizierung der Friedensfachkräfte sicher. Es arbeitet daran, die Ansätze, Methoden und Instrumente der Strategie ziviler Konfliktbearbeitung zu überprüfen und ständig weiterzuentwickeln.
Um der Idee der Zivilen Friedensdienste mehr Öffentlichkeit zu verschaffen, hat das forumZFD immer wieder vielfältige Überzeugungsarbeit geleistet. Mit Friedensläufen, dem Aufbau eines künstlerforumZFD, Friedenskampagnen, Ausstellungen und Spendenaktionen wirbt das forumZFD für eine breitere Zustimmung und Unterstützung durch Politik und Gesellschaft. Angestrebt wird eine umfassendere gesetzliche Absicherung und eine angemessenere finanzielle Ausstattung des Zivilen Friedensdienstes.
Gewürdigt werden sollen durch die Verleihung des Göttinger Friedenspreises 2005 nicht zuletzt die mehr als 100 Friedensfachkräfte, die unter den schwierigen und nicht selten gefährlichen Bedingungen in gewaltträchtigen Krisengebieten eingesetzt sind. Das forumZFD führt eigene Projekte durch in Kroatien, Serbien-Montenegro, Kosovo, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina sowie in Israel und Palästina.
Das sehr verdienstvolle Wirken des forumZFD ist dank des außerordentlichen Engagements seiner hauptamtlichen Mitarbeiter/-innen und ehrenamtlichen Helfer/-innen von der Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, in zutreffender Weise als ein “Leuchtturm für die friedenspolitische Arbeit" bezeichnet worden. In dem kürzlich veröffentlichten Aktionsplan der Bundesregierung zum Thema “Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung" (2004) heißt es: “Das wichtigste friedenspolitische Instrument zur Förderung von Friedenspotenzialen der Zivilgesellschaft ist der zivile Friedensdienst."
Das forumZFD ist in ein breites Bündnis nationaler, europäischer und internationaler Friedensinitiativen und -organisationen eingebunden, so beteiligt es sich an der 2003 von Kofi Annan, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, ins Leben gerufenen “Global Partnership for the Prevention of Armed Conflicts". In der Action Agenda dieser UNO-Konferenz heißt es: “Zivile Friedensdienste zeigen auf, wie die Zivilgesellschaft aktiv zu Erfassung, Ausbildung und Entsendung qualifizierten Personals im Rahmen der Vorbeugung gewaltsamer Konflikte und des Friedensaufbaus beitragen kann. Wir rufen die Regierungen auf, derartige Initiativen zu unterstützen. "Die Idee des Zivilen Friedensdienstes macht Schule: Italien, Spanien und Kanada zeigen Interesse daran, wie diese Idee in Deutschland bereits Wirklichkeit geworden ist.
Das forumZFD setzt durch seine konkrete Friedensarbeit richtige Worte in wichtige Taten um, es transformiert theoretische Erkenntnisse der Friedens- und Konfliktforschung in praktische Ergebnisse und trägt auf diese Weise aktiv und konkret zur Gewaltverhinderung oder -minderung in Krisengebieten bei.
Die Würdigung des forumZFD mit dem Göttinger Friedenspreis ist nicht nur als Anerkennung, sondern zugleich als Unterstützung der friedenspolitischen Arbeit der Friedensfachkräfte des forumZFD gedacht, - stellvertretend auch für die vielen Friedensinitiativen und -organisationen, die diesen Dachverband als kollektive Mitglieder in einem breit angelegten Netzwerk unterstützen. Möge der Göttinger Friedenspreis als Ermunterung für alle Zivilen Friedensdienste dienen, durch ihr engagiertes Wirken der fatalen Logik von Krieg und Gewalt, Vertreibung und Unterdrückung entgegenzuwirken und die Teufelsspiralen von Gewalt und Gegengewalt, Rache und Vergeltung zu durchbrechen.
Der Göttinger Friedenspreis ist mit 3000 Euro dotiert und will an den Göttinger Wissenschaftsjournalisten Roland Röhl erinnern. Röhl war am 24. Dezember 1997 an Krebs gestorben, er hatte in seinem Testament verfügt, daß sein Nachlaß für die Bildung des Stiftungsvermögens verwendet wird. Der promovierte Chemiker, der als Forschungsstipendiat unter dem Nobelpreisträger Prof. Manfred Eigen gearbeitet hatte, befaßte sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt und Friedensforschung. |