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Begründung der Jury
Nur wenige Schritte trennen die Benediktinerabtei Hagia Maria Sion und ihre Friedensakademie Beit Benedikt von der jüdischen Klagemauer, der Grabeskirche Christi und der Al Aksa-Moschee der Muslime. Inmitten der von blutiger Geschichte und gewaltsamem Alltag zerrissenen Stadt Jerusalem, im Zentrum des arabisch-israelischen Konfliktes haben die Mönche um Benedikt Lindemann Räume für Besinnung, Begegnung und Dialog geschaffen und leisten damit einen herausragenden und beispielhaften Beitrag zur Verständigung im Nahen Osten.
In einer Zeit, in der der Frieden zwischen Staaten und innerhalb der Gesellschaften deutlicher denn je von der Fähigkeit zur Toleranz unter den Kulturen und Religionen abhängt, ist das aktive Beispiel einer christlichen Gemeinschaft, die in diesem Sinne wirkt, von herausragender Bedeutung.
Die entfremdete und instrumentalisierte Heiligkeit Jerusalems hat den Ort hochgradig politisiert: Dogmen stoßen aufeinander und schüren ein Klima der Unversöhnlichkeit. Dagegen versuchen die Mönche der Abtei Hagia Maria Sion, und allen voran Abt Benedikt Lindemann, die universelle Heiligkeit der Pax Benedictina, des friedlichen, spirituellen und praktischen Brückenbaus zu setzen: Mönchtum als gelebter Gegenentwurf nach dem Motto des heiligen Benedikt "Suche den Frieden und jage ihm nach!"
Im hochgerüsteten Konflikt permanenter Grenzkontrollen und -überschreitungen, von Bomben und Betonzäunen, bieten die Mauern der Abtei Schutz und Chance für diejenigen, die Trennung, Hass und Grenzen friedlich überwinden wollen. Die Akademie lädt Palästinenser und Israelis zum gemeinsamen Gespräch ins Kloster ein. Die Akademie bietet Raum für ökumenische und interreligiöse Begegnungen zwischen Juden, Christen und Muslimen. Mit unterschiedlichen Angeboten werden Wissen und Verstand, Emotionen und Erinnerungen, Ästhetik und Sinn für Kultur angesprochen. Vorträge, Seminare, Ausstellungen und Konzerte bringen Menschen aus dem In- und Ausland an diesem besonderen Ort zusammen. So erhalten unter anderem Theologen, Pädagogen und Journalisten Anregungen für ihre Arbeit.
Abt Benedikt Lindemann und seine Brüder gehen aber auch hinaus in den Konflikt, sie verteilen Lebensmittel, Medikamente und Kleidung in den besetzten Gebieten, und sie laden israelische wie palästinensische behinderte Kinder zu gemeinsamen Sommerferien am See Genezareth ein.
Abt Benedikt Lindemann leitet und inspiriert diese schwierige Arbeit mit großem Charisma. Er lebt aus einem starken Glauben und der historischen und psychologischen Kenntnis des Ortes, an dem er und seine Brüder und Schwestern wirken.
Es ist zu wünschen, dass die sinn- und friedensstiftende Tätigkeit der Abtei weitere Früchte für die Menschen in Jerusalem trägt und als ein Beispiel ziviler Konfliktbearbeitung auch weiterhin und sichtbar Ausstrahlung entfaltet. |