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 Begründung

Begründung der Jury und Text der Urkunde

In einer turbulenten Welt, die in vielen Regionen durch Krisen und Kriege, Vertreibungen und Unterdrückungen gekennzeichnet ist, hat die Gesellschaft für bedrohte Völker seit mehr als drei Jahrzehnten mit großer Überzeugungskraft immer wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Politik auf das Leid und Elend verfolgter und unterdrückter Ethnien und Gruppen gelenkt.

Durch Aufrufe und Informationen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen, Initiativen und konkrete Hilfs-Aktionen hat die Gesellschaft für bedrohte Völker mit wirksamem Nachdruck gravierende Missstände und Verbrechen angeprangert: so z. B. die des Diktators in Bagdad gegen die irakischen Kurden, den Krieg der Russen in Tschetschenien, die Abschiebung von Ausländern und Flüchtlingen, den Waffenhandel und die Rüstungshilfen in Krisengebiete, die Zusammenarbeit demokratischer Staaten mit Militärdiktaturen sowie die zahlreichen Verletzungen der Menschen- und Minderheitenrechte in vielen Teilen der Welt.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker setzt sich politik- und öffentlichkeitswirksam - bisweilen auch prononziert und provokant - zum Beispiel für die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechern in Serbien, Bosnien, Kroatien und im Kosovo ein, streitet für die Wahrung der Rechte von Ureinwohner-Völkern in Freihandels -, Kooperations- und Kreditabkommen und unterstützt die Indigenen Völker in ihrem Kampf um Selbstbestimmung und die Anerkennung ihrer Ansprüche auf ihr Land und ihre Ressourcen.

Getragen wird die verdienstvolle Arbeit von einer Ethik konsequenter Solidarität für Schwache, Unterdrückte und Entrechtete auf der Basis kritischer Analysen der lebensfeindlichen Bedingungen und menschenverachtenden Verhältnisse in vielen gewaltträchtigen Krisengebieten. Allein durch ihren unbestechlichen Einsatz für die umfassende Geltung der Menschenrechte und gegen massive Menschenrechtsverletzungen verleiht die Gesellschaft für bedrohte Völker den Verfolgten und Vertriebenen eine unüberhörbare Stimme und gibt ihnen ihre Würde und Selbstachtung zurück.

Als weltweit agierende Nichtregierungsorganisation, die 1993 den Beraterstatus als akkreditierte NGO beim UN-Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) erhalten hat, steht die segensreiche Arbeit der Gesellschaft für bedrohte Völker - dank ihrer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - für die wachsende Bedeutung zivilgesellschaftlicher Initiativen im Zeitalter der Globalisierung.

Dass die Gesellschaft für bedrohte Völker im Laufe der Jahre eine derartige friedenspolitische Strahl- und Wirkkraft entfalten konnte, ist nicht zuletzt dem Gründer und Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker, Tilman Zülch, zu verdanken. Seinem Lebenswerk hat die Jury - in großem Respekt vor seiner herausragenden Leistung, einer jahrzehntelangen Arbeit für Frieden und Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität - den Göttinger Friedenspreis 2003 zuerkannt.

Angesichts der Vielzahl der gewaltträchtigen Krisen und Konflikte ist es gegenwärtig und zukünftig besonders  wichtig, dass die humanitären Ziele und Aufgaben weiterhin mit großer Energie und unermütlichem Engagement, konsequenter Hartnäckigkeit und moralischer Autorität verfolgt werden. Die Würdigung ist nicht nur als Anerkennung, sondern zugleich als Unterstützung der friedenspolitischen Menschenrechtsarbeit der Gesellschaft für bedrohte Völker gedacht, die durch ihr engagiertes Wirken der fatalen Logik von Gewalt und Gegengewalt, Vertreibung und Unterdrückung entgegentritt - einer zur Zeit besonders aktuellen und brisanten Herausforderung.

 Laudatio - Rede des Preisträgers

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