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GÖTTINGER FRIEDENSPREIS 2002

der

Stiftung Dr. Roland Röhl

In Würdigung seiner herausragenden Leistungen zur Erforschung, Aufbereitung und Verbreitung der friedensstiftenden, religionsübergreifenden und kulturverbindenden Vision des "Weltethos" als der "minima moralis" aller großen Religionen und Kulturen wird

 Herrn

Professor Dr. Hans KÜNG

Präsident der Stiftung Weltethos/Stuttgart und der Stiftung Weltethos/Schweiz,

Professor Emeritus der ökumenischen Theologie, Universität Tübingen

der

„Göttinger Friedenspreis“ der Stiftung Dr. Roland Röhl

für das Jahr 2002 verliehen.

Das "Weltethos" basiert - so hat Prof. Dr. Küng herausgearbeitet - auf zwei fundamentalen Prinzipien, die allen großen Religionen und Kulturen in ihrem letzten Kern eigen sind:

"Jeder Mensch - ob Mann oder Frau, weiß oder farbig, reich oder arm, jung oder alt -, soll menschlich und nicht unmenschlich behandelt werden."

"Was du nicht willst, das man dir tut, das tue auch nicht den anderen!" (Goldene Regel)

Seine profunden Untersuchungen, organisatorischen Anstrengungen und innovativen Publikationen zur Realisierung des "Projektes Weltethos" haben sowohl im In- als auch im Ausland eine nachhaltige und breite Wirkung erzielt. In Zeiten, in denen die Gefahren eines Kampfes der Kulturen heraufbeschworen werden, hat er mit großer Überzeugungskraft immer wieder zu einem Dialog der Religionen und Kulturen aufgerufen. Die Botschaft, dass kein Frieden zwischen den Menschen und Nationen entstehen kann, wenn es keinen Frieden zwischen den Kulturen und Religionen gibt, ist in der von Hass und Gewalt durchfurchten, friedlosen Welt unserer Zeit von existenzieller Relevanz.

Seine Arbeiten und Unternehmungen beschränken sich nicht auf eine wissenschaftliche Erarbeitung und publizistische Verbreitung des "Projektes Weltethos". Prof. Dr. Küng hat immer entschiedenen Wert auf eine enge Verkopplung von Ethik und Politik, Theorie und Praxis, Erkenntnis und Vermittlung gelegt. Die realisierbare Vision des "Weltethos" vermag Hoffnungen zu stiften, ohne Illusionen das Wort zu reden.

Er hat durch seine Forschungsleistung, Organisation und persönliche Ausstrahlungskraft dem "Projekt Weltethos" Stimme und Struktur, Profil und Schwung, Aufmerksamkeit und Bedeutung verliehen. Das "Projekt Weltethos" ist zu einem friedensethischen Gravitationszentrum geworden, das vielen Menschen in der Welt für ihre beschwerliche Friedensarbeit vor Ort wesentliche Orientierung gibt und bei vielen Rückschlägen immer wieder neuen Mut macht.

Durch sein persönliches Verhalten vermittelt Prof. Dr. Küng jene Prinzipien und Kompetenzen, die von zentraler Bedeutung für das Gelingen des "Projektes Weltethos" sind: Glauben und Vertrauen, Dialog und Verständigung, Zuversicht und positive Energie. Die von ihm gelebte Einheit von Glauben, Denken und Handeln verleiht seinen Einsichten und Botschaften ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Vorbildlichkeit. 

Es ist zu wünschen, dass  das "Projekt Weltethos" eine sinnstiftende Rolle für die Gestaltung des globalen Friedens im 21. Jahrhundert spielt.

 

 Laudatio - Rede des Preisträgers

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